Jeff Strasser

 

Jeff Strasser wurde am 05. Oktober 1974 in der Stadt Luxemburg als zweiter Sprößling der fußballverrückten Familie Strasser geboren.

Seine Kindheitsjahre erlebte er in Bad Mondorf, einem knapp 3 000 Einwohner zählenden Kurstädtchen im Dreiländereck Frankreich-Deutschland-Luxemburg. Dabei verbrachte Jeff die meiste Zeit mit seinem Vater Louis und dem drei Jahre älteren Bruder Christian vor der Sportschau oder auf dem Fußballplatz.

Bereits als siebenjähriger trat er Union Luxemburg bei, um seinem Traumberuf als Fußballprofi etwas näher zu kommen. Anläßlich eines Hallenturnieres soll Francis De Taddeo aus dem Nachwuchs-Trainerstab des FC Metz auf die Stärken des inzwischen zwölfjährigen Jeff Strassers aufmerksam geworden sein. Zwei Jahre später fiel der Entschluß, die fußballerische Ausbildung beim FC Metz fortzusetzen, da es derzeit noch so ist, daß man im Fußball als Luxemburger seinen Weg nur im Ausland finden kann.

Was im Falle von Jeff Strasser wie ein Märchen klingt, war ein dorniger Aufstieg, der mit vielen Entbehrungen und reichlich Streß für die gesamte Familie verbunden war. Denn zunächst fuhren Papa Louis und Mutter Charlotte ihren talentieren Filius ein Jahr lang viermal wöchentlich von Mondorf ins 120 km entfernte Metz zum Training. Hinzu kamen unzählige Kilometer und endlose Stunden zu den Spielen am Wochenende.

Bereits als fünfzehnjähriger verließ Jeff deshalb sein Elternhaus und siedelte in die "centre de formation", ein vereinsinternes Fußball-Internat, des französischen Erstligisten FC Metz. Eine Einrichtung, die nur besonders auserwählten Fußballern offensteht, in der neben der schulischen auch noch parallel eine fußballerische Ausbildung auf dem Programm steht. Auf die Ausbildung, die reibungslos verlief, kann Jeff durchaus stolz sein, da ihm seither auch der Ruf eines technisch versierten und taktisch geschulten Profis vorauseilt.

Jeff beherzigte die Grundsätze der französischen Nachwuchsarbeit und neben einem erfolgreich bestandenen Abitur und dem zeitweiligen Studium der Ökonomie, stieg er von den Amateuren des FC Metz in den Profikader auf und empfahl sich sogar für luxemburgs Nationalelf.

 

Jeff im Dienst des FC Metz

 

Auch die Bundesligaspäher wurden inzwischen auf den wieselflinken Abwehrspieler mit dem starken linken Fuß aufmerksam. Neben dem SC Freiburg, wollte sich vor allem Bochums Ex-Trainer Klaus Toppmöller die Dienste von Strasser sichern. Aber auch Otto Rehhagel und Jürgen Friedrich beobachteten den 1.89 m großen Schlaks während einem Zeitraum von mehr als sechs Monaten. Im Frühjahr 1999 wurden erste Kontakte geknüpft, ehe Jeff nach 67 Erstligaeinsätzen, 9 Europapokalspielen und einem Pokalsieg den FC Metz ablösefrei verließ, um das Abenteuer Bundesliga zu wagen.

Otto Rehhagel versprach bei bei Jeffs Amtsantritt zum 01.07.1999 einen "Michael-Schjönberg-Verschnitt", der auch fußballerisch sehr stark sei. Diese Umschreibung war gar nicht so schlecht, da sich beide Sportler sowohl auf dem Fußballfeld, als auch in ihrer vorbildlichen Einstellung sehr ähnlich sind.

 

Gestatten: Jeff Strasser

 

Der wie viel Fußballer etwas abergläubische Jeff Strasser, der immer zuerst den linken vor dem rechten Schuh anzieht, und dessen Markenzeichen die herunterhängenden Stutzen und die eingeknickten Knie sind, bekam also das rote Trikot mit der Rückennummer "21".

Nach überzeugender Leustungen in den Vorbereitungsspielen, blieb für Jeff Strasser beim Saisonbeginn jedoch zunächst nur die Ersatzbank - eine harte Geduldsprobe für den ehrgeizigen Sportler aus dem Großherzogtum.

Doch bereits am 4. Spieltag am 12.09.1999 schlug trotz der herben 5:0 Niederlage bei Werder Bremen Strassers Stunde. Da Jeff als einer der wenigen Spieler bei seinem Debüt positiv auffiel, hatte er sich in der Folgezeit schnell einen Stammplatz im Lauterer Team erarbeitet.

 

Jeff in Action

 

Jeff überzeugte in seiner ersten Bundesligasaison als kompromißloser Abwehrspieler, der hart gegen andere, aber vor allem auch gegen sich selbst ist. Neben seiner Kopfballstärke und dem starken linken Fuß zeichnen ihn deshalb vor allem sein Ehrgeiz und der bedingungslose Einsatz bis zur totalen Erschöpfung aus. Typisch für ihn, daß er selbst im tiefsten Winter ein Kurzarmtrikot trägt und damit signalisiert: " Seht her, ich bin bereit, immer alles für meinen Klub zu geben". Doch auch menschlich bereichert ein Typ wie Jeff Strasser jede Profimannschaft, da er sehr ehrlich und kameradschaftlich ist, fast immer gute Laune verbreitet und für jeden Spaß zu haben ist. Also integrierte sich Jeff schnell im Team und konnte am Ende seiner ersten Bundesligasaison stolz auf 27 Einsätze und zwei Tore zurückblicken. Und ohne verletzungsbedingte Pause, wären es leicht noch ein paar Spiele mehr geworden.

Eine dieser Pausen nutzte Jeff übrigens, um Ende März 2000 seine französische Freundin Christelle zu heiraten.

Auch in seiner zweiten, der bekanntlich schwersten Saison, bewies Jeff Stehvermögen und erhöhte seine Bilanz auf 57 Bundesligaeinsätze und 4 Tore. Die beiden Treffer erzielte er in einer seiner besten Partien am 10.02.2001 beim 4:0 Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching. Nachdem er in der Euphorie das FCK-Wappen auf seinem Trikot küßte, schloßen ihn viele Anhänger endgültig in ihr Herz und am nächsten Morgen adelte ihn die Bild-Zeitung: "Lautern hat einen neuen Brasilianer - Jeffinho!".

Jeff reifte als Sportler und als Mensch und avancierte in seinem Heimatland längst zum erfolgreichsten und besten aktiven Sportler.

 

Auch in Sachen Fanarbeit immer ein Vorbild
Jeff Strasser beim Stadionfest 2001

 

Doch in seiner letzten Spielzeit im Dress der "Roten Teufel" wechselten oft Licht und Schatten. Nach einem erfolgreichen Saisonbeginn mit sehr guten Leistungen von Jeff, die er beim 3:3 in Hamburg mit einem Traumtor krönte, folgten auch ein paar schlechtere Partien.

Tiefpunkt war mit Sicherheit das Spiel bei Borussia Dortmund am 25.11.2001 als Jeff in der 76. Minute eingewechselt wurde und noch nicht richtig im Spiel war, ehe das 0:1 durch Ewerthon fiel. In der Pressekonferenz hatte Teammanager Brehme schnell Strasser als Schuldigen gefunden, um von eigenen Fehlern abzulenken. Die psychologischen Folgen dieser Kritik und den Grundsatz, daß eine Mannschaft gemeinsam gewinnt und verliert, hatte er dabei leider vergessen. Denn gerade beim Gegentreffer sahen auch die übrigen Spieler nicht gerade sehr gut aus.

Aber auch die Presse pflichtete Brehme bei. Und nachdem sehr oft zu lesen war, daß die meisten Gegentreffer über die linke Seite fielen, kamen auch mehr Gegenangriffe über die linke Seite und die Fans verhielten sich plötzlich gegenüber Jeff sehr kritisch. Obwohl Jeff eigentlich das Idealbild des Lautern-Profis verkörpert, erfuhr er leider nicht immer die ungeteilten Sympathien der Anhänger. Einer wie Jeff polarisiert die Meinungen und die Meinungspalette umfaßte zeitweilig das komplette Spektrum von Fußballgott bis Vollidiot.

Doch bei aller Kritik hatten viele "Experten" offensichtlich übersehen, daß Jeff im letzten Jahr oft alleine die linke Lauterer Seite beackern mußte, obwohl er als Libero oder in der Innenverteidigung sehr viel stärker und wesentlich wertvoller gewesen wäre.

Die Kritik verunsicherte Jeff zwar nur kurze Zeit, aber es kam noch schlimmer für den Musterprofi mit der Pferdelunge. Nach nur zwei guten Spielen von Stefan Malz verfielen die FCK-Verantwortlichen dem Trugschluß, daß man die Dienste eines Jeff Strassers nicht mehr benötigt! Die Vertragsverhandlungen wurden eingestellt und am 02.01.2002 erfuhr Jeff ohne nähere Angabe von Gründen, durch den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich, daß sein auslaufender Vertrag im Sommer nicht mehr verlängert wird

In dieser schweren Zeit stützte ihn seine Familie und Jeff erfuhr aus der Heimat auch Trost und Anerkennung als Balsam für die wunde Seele. Denn mit deutlichem Vorsprung wurde er bei der Abstimmung des Luxemburger-Sportpresse-Verbandes zum zweiten Mal nach 1999 im Rahmen einer großen Gala zu "Luxemburgs Sportler des Jahres" gekürt.

Und während sich einige Spieler in dieser Situation vielleicht hängen gelassen hätten, gab Jeff die Ausbootung anscheinend noch mehr Motivation.

Als er aufgrund einer dünnen Personaldecke und starken Trainingsleistungen zum Jahresbeginn ins Team zurückkehrte, überzeugte er erneut mit eigentlich altbekannten Stärken.

So avancierte er im Pokalspiel gegen Bayern München zum besten Akteur und demonstrierte eindrucksvoll, daß er auch in der Verlängerung nach 110 Minuten immer noch keinen Ball verloren gibt. Jeff kämpfte mit Herzblut und ließ seinen Gegenspielern bei den Siegen in Gladbach und Köln, sowie beim zweimaligen torlosen Unentschieden (Pokalspiel nach 120 Minuten 0:0, Bundesligaspiel 0:0) gegen Bayern München kaum eine Torchance.

Auch dank der Verdienste von Jeff Strasser belegte der FCK zu diesem Zeitpunkt den dritten Tabellenplatz mit deutlicher Tendenz nach oben, ehe die Mannschaft nach der Rückkehr anderer Spieler ohne Not wieder umgebaut wurde...

Doch in dieser Zeit lernte ein Großteil der Anhängerschar endlich zu schätzen, daß Jeff Strasser ein absolut mannschaftsdienlicher Musterprofi mit vorbildlicher Berufsauffassung ist. Mit Spruchplakaten, Sprechchören und Leserbriefen wollte man den Verein zur Vertragsverlängerung bewegen und das "Teamtalk-Internetforum" wurde zeitweilig sogar zum Jeff-Strasser-Forum mißbraucht. Auch Jeff betonte mehrfach, daß er sich durchaus vorstellen könnte, auch weiterhin beim FCK zu bleiben. Doch obwohl es derzeit immer noch keine sportlichen Alternativen gibt, blieben die Verantwortlichen stur bei ihrer ursprünglichen Entscheidung.

 

Jeff soll bleiben -
aber die Meinung der Fans interessiert leider nicht!

 

Aber auch mit Jeffs Verabschiedung stellte sich der FCK bzw. das Trainerduo ein Armutszeugnis aus. Obwohl sich Jeff bis zur letzten Sekunde in den Dienst des Vereins stellte, verlief sein Abschied äußerst unschön. Nachdem er in 81 Bundesliga- und 17 internationalen Einsätzen in drei Jahren 7 Tore erzielte und immer sein Besters gegeben hatte, gehörte er im letzten Heimspiel nicht mehr zum Aufgebot eine Entscheidung, die nicht nur von sehr wenig Fingerspitzengefühl zeugte, sondern auch den Spieler und die Fans vor der wichtigen Partie gegen Cottbus unnötig verärgerte.

Der zu Recht enttäuschte Strasser schluckte jedoch erfreulicherweise seinen Frust hinunter und verabschiedete sich dennoch vor dem Spiel von seinen Anhängern. Und die bereiteten ihm wiederum einen würdigen Abschied, wie ihn zumindest in den letzten zehn Jahren vielleicht höchstens 2 oder 3 verdiente Spieler erleben durften.

Auf einem 40 m langen Spruchband war zu lesen: " Spieler kommen und gehen - ein Stück Jeff bleibt immer hier". Ein kleines Dankeschön für einen außergewöhnlichen Sportler und Menschen, der eine positive Ausnahme im harten Bundesligageschäft darstellt".

 

Spieler kommen und gehen - ein Stück Jeff bleibt immer hier!
Jeffs einzigartiger Abschied aus Kaiserslautern

(Foto mit freundlicher Genehmigung von Thomas www.der-betze-brennt.de)

 

Auch bei den abschließenden Freundschaftsspielen bis zur Sommerpause suchte Jeff immer wieder den Kontakt zu den Fans und schrieb zu einem Zeitpunkt als ihm die Menschen hier in der Pfalz schon völlig egal sein konnten noch mehr Autogramme, als vielleicht der komplette Rest des FCK-Teams.

Nach mehreren Angeboten aus dem In- und Ausland unterzeichnete Jeff Strasser schließlich Ende Mai einen Dreijahresvertrag bei Borussia Mönchengladbach. Eine Entscheidung, die auch bei vielen FCK-Anhängern auf positive Resonanz stieß. Durch seinen Verbleib in der Bundesliga liest und hört man wenigstens, ob es unserem Fighter gut geht und wenigstens kann man ihn auch manchmal noch bei Spielen bewundern. Außerdem gehört die "wahre" Borussia zu den sympathischeren Mannschaften in der Bundesliga und die Anhänger beider Vereine haben eigentlich ein ganz gutes Verhältnis zueinander. Die Borussia ist ein familiärer Verein, der solide geführt wird und besitzt derzeit ein junges und entwicklungsfähiges, intaktes Mannschaftsgefüge.

Also streifte Jeff nach einem Sommerurlaub im Kemer in der Türkei das Trikot mit der Raute und der Rückennummer "7" über und überzeugte bereits in den Vorbereitungsspielen durch gute Leistungen. Wie erwartet, konnte sich der polyglotte Profi, er neben dem Letzebuergesch auch fließend französisch, deutsch und englisch, sowie etwas italienisch spricht, schnell in die Fohlenelf integrieren.

In den bisherigen drei Bundesligapartien zählte er auf seiner erlernten Position, der Innenverteidigung jeweils zu den besten Akteuren auf dem Feld. Besonders beeindruckend, wie er beim 3:0 Sieg seiner Borussia gegen den 1. FC Kaiserslautern Andreas Brehme eindrucksvoll demonstrierte, daß es ein großer Fehler war, einen solche leidenschaftlichen Kämpfer auszusortieren. Nach der Partie ähnelte er mit einer Platzwunde unter dem linken Auge wieder einmal eher einem angeschlagenen Boxer, denn einem Fußballprofi. Aber die Erkenntnis, daß man beim FCK wohl eher auf Profis gesetzt hätte, die nach dem Spiel wie Jeff Strasser aussehen, kommt leider wie immer zu spät.

Doch auch wenn die Entscheidung Jeff Strassers Vertrag nicht mehr zu verlängern ein Riesenfehler für den 1. FC Kaiserslautern und eine sehr große Enttäuschung für dessen Anhänger war, könnte sich das Ganze letztlich sogar als Glücksfall für den Spieler selbst erweisen.

Bereits nach der kurzen Zeit in Gladbach konnte man den Eindruck gewinnen, daß Jeff auf dem Bökelberg endlich die Anerkennung durch den Trainer, die Mitspieler, die Medien und vor allem die Fans erfährt, die ihm auf dem Betzenberg leider zeitweilig versagt blieb. Ein positiver Typ wie Jeff Strasser kommt in jeder Mannschaft und an jedem Ort zurecht. Und wenn man ihn läßt, könnte und würde er endlich mehr Verantwortung als Führungsspieler übernehmen.

Und daß der Wechsel letztlich ein Glücksfall für Jeff Strasser und seine Familie wird, wünschen ihm seine Anhänger aus Luxemburg, der Pfalz und natürlich Mönchengladbach von ganzem Herzen.

 

Christina, im September 2002